Eine der angesagtesten europäischen Städte, eine einmalige Architektur, mediterran, multikulturell, kunstverwöhnt und verspielt. Wer das komprimiert erleben möchte, kommt an Barcelona nicht vorbei. Wir waren für 5 Tage in der katalanischen Hauptstadt und ich zeige euch hier einige Impressionen von dort.

 

Basics über Barcelona

Die Metropole stand schon lange auf unserer Wunschliste der Städte, die wir noch sehen wollten. Von Frankfurt aus erreicht man Barcelona mit dem Flugzeug in unter 2 Stunden, also ideal für einen Kurztrip. Als sich die Gelegenheit bot, haben wir spontan gebucht. Dann hieß es zuerst sich mit dem Urlaubsziel vertraut zu machen.

Mit über 8,3 Millionen Übernachtungsgästen, liegt Barcelona in Europa auf Platz drei (!) der meistbesuchten Städte. In der Welt sogar auf Platz 12 (Quelle: Global Destination Cities Index, 2017). Dieses Ranking hat mich doch sehr erstaunt. Selbst Rom, Madrid, Amsterdam oder Wien liegen weit abgeschlagen dahinter. Nur Paris und London (war ja klar), müssen jährlich mit mehr Besuchern zurechtkommen.

Etwa 1,6 Millionen Menschen leben im Stadtgebiet von Barcelona. Über 3,1 Millionen im direkten Metropolgebiet. Wenn man dies mit den Besucherzahlen vergleicht, kann man sich gut vorstellen, wie voll es in der Hauptsaison wird.

Barcelona liegt im Nordosten von Spanien, etwa 120 Kilometer vor der französischen Grenze, direkt am Mittelmeer. Die Serra de Collserola, ein Teil des Küstengebirges, bilden den grünen Rahmen der Stadt. Die Gründung wird etwa auf das Jahr 230 v.Chr. datiert, somit hat Barcelona eine lange und kulturell sehr interessante Geschichte. Wer mehr dazu erfahren möchte, kann dies hier nachlesen: Wikipedia.

Als beste Reisezeit wird meistens ein Zeitraum von April/Mai bis September/Oktober angegeben. In den Sommermonaten kann es durch das Azorenhoch dort allerdings sehr heiß und trocken werden, was für eine aktive Stadtbesichtigung nicht so ideal ist. Wenn meine Frau und ich auf Sightseeingtour in einer Stadt unterwegs sind, erkunden wir in der verfügbaren Zeit so viel wie möglich. Am liebsten zu Fuß, denn so lernt man eine Stadt am besten kennen. Darum entschieden wir uns für eine frühe Jahreszeit. Im März sind die Temperaturen sehr angenehm und man muss nicht mit einem Hitzschlag rechnen, wenn man den ganzen Tag unterwegs ist.

Jetzt aber genug der langen Vorrede. Jeder legt seinen Schwerpunkt und Focus auf etwas anderes. Im Folgenden stelle ich euch jetzt Barcelona vor, wie wir es erlebt haben.

 

Tag 1

La Catedral de la Santa Creu i Santa Eulàlia, oder auch Kathedrale von Barcelona, war einer der ersten Anlaufpunkte. Auf dem Vorplatz kann man sich gemütlich auf eine der Steinbänke setzen, dem Treiben zuschauen und die Architektur bewundern. Das Bauwerk ist nicht durchgängig „alt“, viele Teile mussten erneuert werden oder wurden auch erst im 19. und 20. Jahrhundert fertiggestellt. Markant in der Kathedrale ist der Kreuzgang mit Innenhof, in dem 13 Gänse wohnen, die an die Unschuld der dort begrabenen Märtyrerin Eulalia erinnern. Der Eintritt war frei. Für 3 Euro hat man die Möglichkeit mit einem Fahrstuhl auf das Dach hoch zu fahren. Dort hat man einen schönen Blick über die Dächer der Stadt.

 

Wenn man die Kathedrale über den Ausgang verlässt, gelangt man direkt ins Carrer del Bisbe mit der markanten Pont Gótic, einer steinernen Überbrückung der Gasse. Hier ist fast zu jeder Tageszeit viel los. Wer Bilder ohne Touristen aufnehmen will, muss schon einfallsreich sein. Ich bin Abends zur blauen Stunde noch mal dort hin, um per Langzeitbelichtung die Menschen (fast) auszublenden.

 

Direkt an der Promenade La Rambla, auf der am 17.08.2017 das Attentat mit 14 Toten und 118 Verletzten passierte, liegen die Mercat de la Bouqueria, die berühmtesten Markthallen in Barcelona. Viele Blogger haben in ihren Reiseberichten geschrieben, dass man diesen Markt meiden sollte, da es unsauber oder zu übervoll sei. Das konnten wir nicht nachvollziehen. Der Boden war weder versifft oder dreckig, noch roch es ekelhaft, wie es zum Teil formuliert wurde. Es war auch nicht überfüllt, obwohl es die geschäftigste Tageszeit war. Darum empfinden wir La Bouqueria als sehenswert! Möglicherweise ist es im Hochsommer bei heißen Temperaturen nicht so angenehm, aber das muss jeder selber entscheiden. Wir würden wieder hingehen.

 

Der nächste Stopp war die Casa Milá. Vorab muss man einen Namen kennen: Antoni Gaudí. Gaudi war ein Architekt, der viele Gebäude und Parkanlagen in Barcelona gestaltet hat. Durch eine Erkrankung konnte er schon als Kind nicht mit Gleichaltrigen spielen und nutzte die Zeit intensiv, um die Natur zu beobachten. Diese Begeisterung findet sich in allen seinen Meisterwerken wider. Man kann fast schon sagen, was wäre Barcelona ohne Gaudí.

Jetzt aber zum ersten Meisterwerk – Casa Mila. Die Villa am Passeig de Gràcia ist ein geniales Meisterwerk. Ich bin eigentlich nicht so der Architekturbegeisterte, aber das hat sich in Barcelona geändert. Gaudí hat es auf fantastische Weise verstanden Elemente zu integrieren, deren Form oder Funktion der Natur oder Tieren nachempfunden ist. Man muss extrem ins Detail gehen, dann kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Eines wird man in seiner Architektur nicht finden – gerade Linien und rechtwinklige Kanten. Wo es nur möglich war, setzte er Rundungen ein, an Wänden, Treppen, Fenstern oder Decken. Auch die Gestaltung des Daches ist klasse. Einfache Schornsteine waren ihm zu banal. Er kreierte einmalige Türmchen, die durch die Mosaiksteine in der Sonne glänzen und leuchten und trotzdem funktional sind. Man könnte Bücher über seine Werke schreiben (ach ja, gibt’s ja schon), deswegen: Bilder sprechen mehr als tausend Worte.

 

Weiter ging es zum Park Güell. Auch hier war Mr. Gaudí am Werk. Im Auftrag des Industriellen Eusebi Güell, schuf Gaudí im Stadtbezirk Gràcia eine unvergleiche Anlage. Er verzichtete auf viele Erbewegungen und passte seine Pläne dem hügeligen Terrain an. Auch hier benutzte er organische Formen als Gestaltungsmittel, so dass man den Eindruck von absoluter Natürlichkeit hat. Alles ist harmonisch abgestimmt und geht fließend ineinander über. Highlights im Park sind die Rampen (oder auch Besucherbrücken), die Plaça, ein 3000m² großer Terassenplatz mit einer wellenförmigen Mauer, die mit kleinsten Keramik- und Kristallsteinchen überzogen ist und die beiden „Pförtnerhäuser“ mit den verspielten Dächern.

Was mich sehr gestört hat war die Tatsache, dass wir den vollen Eintritt zahlen mussten, obwohl große Teile abgesperrt waren, weil dort gearbeitet wurde. Das Instandhaltung wichtig ist, sollte jedem bewusst sein, aber dann passe ich für diese Zeit auch die Preise etwas an. So war es mir auch nicht möglich, ein Bild dort zur blauen Stunde aufzunehmen, was ich im Vorfeld geplant hatte. Aber der Park ist auf jeden Fall ein Muss in Barcelona.

 

Den Abschluss des Tages bildete noch ein kurzer Abstecher vom Park Güell zu den Búnkers de Can Baró. Von dort hat man den wahrscheinlich schönsten Rundumblick über die gesamte Stadt von Barcelona. Außerdem ist es bei schönem Wetter ein beliebter Szene-Treffpunkt, um bei untergehender Sonne gemeinsam einen Wein oder Bier zu trinken, oder einfach nur den Tag ausklingen zu lassen.

 

Tag 2

Der erste Tag war vollgepackt mit Highlights. Das machte Bock auf die Fortsetzung. Und da stand auch gleich etwas mächtiges auf dem Plan. Schon von zu hause aus, hatten wir Online-Tickets gekauft, weil wir lasen, dass man hier lange anstehen müsste, teilweise auch mehrere Stunden. Von was spreche ich. Von „the one and only“ – La Sagrada Familia.

Die Sagrada ist Antoni Gaudí’s Lebenswerk, was er nie vollendete und welches bis heute nicht vollendet ist. Durch Spenden und die Eintrittsgelder wird die Fertigstellung finanziert und ist für das Jahr 2026 geplant. Das wäre zum 100. Todesjahr von Gaudí. Es ist so viel über diese Kirche zu sagen, dass man sich die Daten und Fakten am besten selber durchliest, z.B. hier.

Die Online-Tickets geben ein kleines Zeitfenster von 15 Minuten vor, in dem man Einlass bekommt. Wenn man einmal drinnen ist, kann man sich so lange aufhalten, wie man möchte. Und man sollte sich lange aufhalten. Nehmt euch Zeit für die kleinen Details. Schaut in jede Ecke, die man besuchen kann. Lasst die Architektur auf euch wirken. Ich will nicht zu viel sagen, aber es gibt einige Aha-Momente, wenn man die Erklärungen liest (oder über den Audioguide hört).

 

Von der Sagrada ging es zum einem echten Geheimtipp. Viele Highlights sind natürlich überlaufen, darum war das Nächste so entspannt, weil kaum etwas los war. Das Hospital de la Santa Creu i Sant Pau wurde 1930 eröffnet und war ein bis ins Jahr 2009 genutztes Krankenhaus. Die Anlage sollte ursprünglich aus 48 Pavillons bestehen, jedoch wurden nur 27 fertiggestellt, weil die Geldmittel erschöpft waren. Heute zählt die Anlage zum Weltkulturerbe der UNESCO und es können einige Gebäude besichtigt werden.

 

Tag 3

Weil wir gelernt hatten, buchten wir online im Hotel für das nächste Highlight ebenfalls Online-Tickets, die uns einen geregelten Einlass boten. Man könnte meinen es wird langsam langweilig, denn es stand wieder ein Gaudí-Gebäude auf dem Plan, aber für mich eines der schönsten – Casa Batlló.

Es ist eines der baulichen Glanzstücke in Barcelona und steht ebenfalls, wie Casa Milá, in der Straße Passeig de Gràcia. Die Fassade ist schmal, aber sie besticht durch die einzigartigen Balkone und das große Erkerfenster im ersten Stock. Auf dem Dach erspäht man schon von der Straße aus bunte Elemente, wie man sie von der Casa Milá kennt.

Wir waren zur Öffnung um 9 Uhr dort und glücklicherweise war der Andrang noch nicht hoch. Mit unseren Tickets kamen wir schnell rein. Der Audioguide war erstaunlicherweise gratis, wo andere teilweise 7 Euro extra berechnen. Ich nehme fast nie einen Audioguide, sondern lasse mich mit der Kamera lieber umhertreiben. Im Casa Battló kann man Stunden verbringen. Gaudí’s Architektur ist wieder einmal grandios, aber so komplett unterschiedlich, als bei seinen anderen Meisterwerken. Meine Frau hat mir, dank Audioguide, zwischendurch immer wieder interessante Details erklärt. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Für mich war es eine Herausforderung das Gesehene in Bildern festzuhalten und zwar, wenn möglich, ohne jemanden mit auf dem Bild zu haben. Ich hoffe es ist mir gelungen.

 

Anschließend ging es in Richtung Barceloneta, der Stadtstrand von Barcelona. Hier habe ich kaum fotografiert. Es war so ein schönes Wetter und warm (für März), dass wir uns einfach hingesetzt, die Sonne genossen und dem Treiben zugeschaut haben. Herrlich. Eine willkommene Abwechslung zum sonst vielen Erkunden und Laufen. Dann haben wir das Ganze im Parc de la Ciutadella weitergführt, der nicht weit entfernt ist. Einfach auf eine der vielen Bänke setzen und chillen. Interessant war hier der allgegenwärtig umher wabernde, süßliche Geruch von Gras. Und damit meine ich nicht das Gemähte des Gartenbauamts….! Scheint normal zu sein. Über den Arc de Triomf suchten wir uns den Weg zur Metro. Die sollte uns zum nächsten Highlight bringen.

 

Ein Must-See in Barcelona ist der Font Màgica de Montjuïc. Der Springbrunnen ist am Tag nett anzuschauen, doch nach Anbruch der Dunkelheit (zu festen Zeiten) und nur Freitag bis Sonntag, erwacht der Brunnen dank einer Licht- und Soundshow zu einem Spektakel. Ich habe versucht einige Bilder aufzunehmen, habe aber nach dem ersten Lied auf Video umgestellt, weil es die Szenerie viel besser widerspiegelt. Kein Meisterwerk cinematographischer Künste, aber eine schöne Erinnerung.

 

Tag 4

Unser letzter Tag. Der Flug ging zum Glück erst am Abend, also hatten wir noch Zeit für Sightseeing. Nahe zu unserem Hotel gelegen war der Palau de la Música Catalana, ein Konzertsaal, der bis heute Sitz des katalanischen Volkschors ist. Das Gebäude gehört stilistisch zur Modernisme. Die Besichtigung ist leider nur mit einer Führung möglich, nicht wie woanders self-guided, also frei zum Herumlaufen. Darum schauten wir uns nur die tolle Fassade an und durch die Fenster etwas vom Foyer. Das Palau ist bestimmt einen Besuch wert, vielleicht beim nächsten Mal.

Mit der Seilbahn fuhren wir dann auf den 173m hohen Hausberg von Barcelona – den Montjuïc. Dort kann man das Castell besichtigen, in dem unter Franco’s Regime Folterungen und Exekutionen durchgeführt wurden. Man kann das Castell bequem zu Fuß umrunden und hat auf der dem Meer zugewandten Seite eine fantastische Aussicht auf den Containerhafen.

 

Als Abschluss unseres Kurztrips nach Barcelona sind wir noch einmal quer durch die Stadt zurück zum Hotel gelaufen, haben die Atmosphäre in den Straßen genossen, mit einem letzten Sonnenbad auf der Placita de la Seu vor der Kathedrale. Dann ging es mit dem Zug zum Flughafen und back Home to Germany.

 

Fazit

Barcelona ist eine architektonische Perle auf der Welt, ganz sicher. Selbst Architektur-Laien und -Uninteressierte werden hier ihre Meinung ändern. Versprochen. Dafür haben Meister wie Antoni Gaudí und seine Zeitgenossen gesorgt und einmalige Werke geschaffen. Das Essen ist fantastisch (haltet euch an die traditionelle Küche, fernab der Promenaden). Wenn das Wetter gut ist, geht an den Strand und genießt die Sonne. Besucht die Markthallen und lasst euch treiben. Mein Kopf ist noch so voll von Erlebnissen, dass ich hoffe hier eine etwas nachvollziehbare Linie gezogen zu haben. Ich kann Barcelona jedem empfehlen, egal welches Alter. Traut euch. Stürzt euch einfach rein. Es wird sich lohnen!!

In dem Sinne… Bis bald

Michael

 

 

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