Es gibt verschiedene Möglichkeiten Amerika zu bereisen. Die für mich schönste Art ist Camping. Man hat so die Chance direkt in der Natur, inmitten der fantastischen Landschaften, die man in Amerika erkunden kann, zu übernachten. Ich möchte hier einige Erfahrungen teilen, die wir gemacht haben und vielleicht den einen oder anderen Tipp geben, der den Campingurlaub in Amerika entspannter machen kann.

Wohnmobil oder Zelt?

Das ist eine gute Frage. Wir haben beides schon gemacht. Ich denke es ist von einigen Faktoren und natürlich auch von Vorlieben ab. Wir hatten uns damals einen RV (Recreation Vehicle = Wohnmobil) gemietet, weil wir wussten, dass wir uns oft in Gebieten aufhalten werden, in denen es Bären gibt, z.B. im Yellowstone National Park. Mit einem RV hat man den Vorteil des Komforts. Man fährt quasi in einer Ferienwohnung herum und hat alles dabei, was man benötigt: Bett, Toilette, Dusche, Kühlschrank, Herd, Backofen und vieles mehr. Außerdem ist man dem Wetter nicht ausgesetzt, denn man hat immer ein trockenes, warmes und sicheres zu Hause.

Ein Wohnmobil ist toll. Aber die Mietpreise sind nicht unerheblich. Und ein Wohnmobil kann das Reisen manchmal auch einschränken. Wir mussten die Erfahrung machen, dass wir manche Orte mit dem RV nicht besuchen konnten, weil es entweder eine Zugangsbeschränkung für lange Wohnmobile gibt, z.B. im Sequoia National Park schon ab 22 Fuß, was fast dem kleinsten Wohnmobiltyp entspricht. In größeren Städten ist das Fahren mit dem Wohnmobil anstrengend und Parkplätze sind auch nicht immer leicht zu finden. Oder gewisse Straßen mit einem so großen Gefährt sind einfach nicht zu befahren, oder nur extrem mühsam, z.B. die Schotterstraße zu den Yant Flats in Utah oder die House Rock Valley Road bei Kanab, ebenfalls in Utah.

Das hat uns dazu gebracht, dass wir umgestiegen sind auf einen Mietwagen und ein Zelt zum Campen. Zugegeben, es erfordert eine eigene Campingausrüstung, die man immer mitbringen muss. Das nimmt im Reisegepäck schon einiges an Platz zusätzlich in Anspruch. Aber das Reisen mit dem Auto und Zelt bringt viel mehr Flexibilität und ist in Summe wesentlich günstiger, als sich einen voll ausgestatteten RV zu mieten. Man verzichtet beim Zelten leider auf den Komfort, den ein Wohnmobil bietet. Entscheiden muss natürlich trotzdem jeder selber.

Camping mit dem Zelt in den National Parks und State Parks

Auf unserem letzten Roadtrip durch die Bundesstaaten Arizona, Utah, Nevada und Colorado, haben wir fast ausschließlich die Campingplätze in den National – und State Parks angesteuert. Diese Plätze sehen meistens so aus:

  • Anmeldung/Registrierung National Parks

    In den National Parks, in denen es Campingplätze gibt, ist oft am Eingang die Registrierung, welche von Rangern verwaltet wird. Es ist so ein bisschen wie ein Drive-in. Man fährt mit dem Auto vor und durch das Fenster meldet man sich an, ohne aussteigen zu müssen. Der Ranger kann auch gleich schauen, ob überhaupt noch ein Platz frei ist. Wir haben auf unserem letzten Trip mehrmals ein „nein“ zu hören bekommen, was einen vor Probleme stellen kann, vor allem, wenn es schon spät ist und man unbedingt ein Platz zum schlafen braucht. Manche Campgrounds bieten dann sogenannte „Overflow-Sites“ an. Das sind im Gemeinschafts-Stellplätze, die man sich zum Teil mit bis zu 10 anderen Zelten teilen muss. Diese Plätze werden oft bis zum Schluss frei gehalten, so dass man dort noch eine Chance hat. Oder auch nicht. Wir mussten im Zion National Park für eine Nacht auch mal 20 Minuten außerhalb vom Park unser Quartier suchen, weil einfach nichts mehr frei war. Passiert. Da hilft auch die Mitleidstour nicht 😉 Auf den privaten Campgrounds hat man zwar mehr Annehmlichkeiten, man zahlt aber auch schnell mal das Doppelte. Um dem vorzubeugen und in die National Parks zu kommen, muss man am besten reservieren. Wenn man einen exakten Zeitplan hat und weiß an welchem Tag man wo ist, dann geht das. Reist man aber spontan an, wie wir es immer tun, funktioniert reservieren nicht wirklich. Wir haben manchmal einen Tag vorher angerufen, um zu reservieren. Weiter im voraus wussten wir nie, wo wir genau sein werden. Und je nach Saison sind die Parks einfach brechend voll. Das sollte man bedenken, egal wo man in Amerika ist. Es ist aber auch von der Saison abhängig, das ist klar. Aber meistens bereist man ein Land wie Amerika zu einer idealen Jahreszeit, wie dem September und Oktober, wenn es in Gegenden wie Arizona oder Utah nicht mehr ganz so heiß ist.

  • Anmeldung/Registrierung State Parks

    In State Parks man muss selber schauen, ob noch ein Campsite für die Nacht frei ist. Zuerst fährt man den Campingplatz einmal komplett ab. Tipp: schaut wirklich genau in jedem Loop nach, sonst übersieht man leicht einen freien Platz! Zurück am Eingang steht eine Infotafel, wo gelbe Umschläge ausliegen. Auf den Umschlag schreibt man dann alle Informationen: Name, Anzahl der Personen, Ankunfts- und Abreisedatum, Zelt oder RV, Nummernschild des Autos, die Platznummer und wie viel man bezahlt hat. Die Gebühr (Camping-Fee) steckt man in den Umschlag, reißt sich die Quittung ab und steckt den Umschlag in die dafür vorgesehene Box. Die Quittung hängt man dann an der Campsite an den Pfosten, damit die Ranger sehen, dass man dort stehen darf und bezahlt hat. Die öffentlichen Plätze werden immer kontrolliert. Zur Not kann man auch am Morgen direkt beim Ranger nachzahlen, wenn man erst nachts angekommen ist. Viele Campgrounds bieten mittlerweile sogar die Möglichkeit der Online-Reservierung und daher sind auch die State Parks oft voll und es wird schwer einen Platz zu finden.

  • Toiletten und Waschräume (Restrooms and Sanitaries)

    Die Plätze in den National Parks haben (meistens) Toiletten mit Spülung. Auf den Plätzen in den State Parks findet man hingegen oft nur einfache Plumpsklo’s (pit toilet). Das ist an sich kein Problem. Die Campingplätze in den State Parks werden von Hosts betreut und auch gereinigt. Dementsprechend ist der Zustand zum Teil leider unterschiedlich. Wir hatten Toiletten die pikobello sauber waren, andere wiederum waren so unsauber (freundlich ausgedrückt), dass ich mir echt überlegen musste, ob ich wirklich rein gehe. Aber mit dem Zelt ist man eben auf die Anlagen auf dem Platz angewiesen. TIPP: nehmt Sagrotan mit oder einen anderen Sanitizer, mit dem man den Toilettensitz nötigenfalls etwas reinigen könnte. Wir hatten auch immer eine Rolle Notfall-Toilettenpapier im Auto. Außerdem irgendetwas zum Hände waschen/reinigen, denn fließendes Wasser gibt es beim Plumpsklo nicht. Wir haben dazu meistens unser gekauftes Trinkwasser (in Flaschen) und Duschgel benutzt. Man muss sich halt irgendwie behelfen. Hat aber einen gewissen Abenteuer-Faktor 🙂

  • Duschen (Showers)

    In den National- und State Parks sind Duschen absolute Mangelware. Wir hatten in 3 Wochen nur zwei Park-Campingplätze, auf denen Duschen vorhanden waren. Wenn man viel wandert, wie wir es getan haben, möchte man sich natürlich frisch machen und den ganzen Dreck vom Tag abwaschen. Das ist zum Teil echt schwer. TIPP: gibt es keine Duschen, geht in die Visitor Center oder die Tourist Information und fragt nach einer Public Shower. Die kosten zwar, aber das haben wir gerne gezahlt. Wir waren einmal in einem Schwimmbad ($5 pro Person), dann auf einer Trucker-Raststätte ($6 pro Person) oder sogar in einem Casino ($6 pro Person). Es gibt also schon Möglichkeiten, aber eben nicht immer vor Ort. Das sollte man einplanen.

  • Grillen (Barbecue)

    An jedem Platz (jedenfalls im Westen der USA) gibt es einen fest montierten Grill und zusätzlich einen Feuerring. Es besteht also die Möglichkeit abends zu grillen und anschließend ein Lagerfeuer in dem Metallring zu machen. Feuerholz kann man in Amerika überall kaufen, am besten außerhalb der Parks, z.B. an Tankstellen. Es kostet zwischen 5-10 Dollar pro Bündel. Achten sollte man in jedem Fall immer auf den Hinweis zur aktuellen Brandgefahr (Fire Danger Today). Es stehen überall gut lesbare Schilder dazu. Dort wird das Risiko angeben. Von niedrig (low/moderate) bis zu extrem hoch (extrem). Ist die Gefahr hoch, sollte auf ein Lagerfeuer verzichtet werden, da durch Funkenflug leicht ein Feuer ausbrechen kann.

  • Untergrund der Zeltplätze

    Die meisten Campgrounds haben für die Zelte relativ ebene Sites, so dass man nicht an einem „Steilhang“ schlafen muss. Das ist schon mal gut. Allerdings variieren die Untergründe sehr. Wir standen auf lockerem Sand (macht Probleme mit normalen Heringen, die einfach keinen Halt bieten), dann auf feinem Kies, oder auf groben Schotter (hier sollte man unbedigt eine Zeltunterlage haben, denn sonst können die Steine den Zeltboden beschädigen). Einige Male war es auch ein knüppelharter, extrem trockener Erdboden. Zum Glück hatten wir einen Zelthammer dabei, denn ich habe echt gekämpft, um die Heringe in den Boden schlagen zu können. Und wegen dem starken Wind, waren die Heringe zeitweise wirklich notwendig. Ansonsten kann man diese ja auch mal weglassen (je nach Zelt).

  • Lebensmittel beim Zelten

    In den National Parks und State Parks gibt es keine Möglichkeiten, um Lebensmittel zu kaufen. Man sollte auf dem Weg dorthin immer rechtzeitig einkaufen gehen und versuchen an alles zu denken, sonst muss man unter Umständen wieder los und weit raus aus dem Park fahren, bis zum nächsten Supermarkt. Wenn man, wie wir, nur mit einem „normalen“ Auto unterwegs ist und nicht mit einem Wohnmobil, ist es schwerer mit dem Einkaufen. Es gibt eben keinen Kühlschrank an Board und eine strombetriebene Kühlbox beim Autovermieter zu leihen, ist teuer. Wir haben es meistens so gemacht, dass wir frische Lebensmittel, wie z.B. Fleisch, Käse, Milch, Eier oder ähnliches, nur für den jeweiligen Tag gekauft und gleich verbraucht haben. Lebensmittel, welche auch mal höhere Temperaturen vertragen, kauften wir dann in größeren Mengen, damit wir immer irgendetwas dabei hatten, wenn sich mal keine Möglichkeit zum Einkaufen bot. Das waren meistens Nudeln und dazu irgendeine Tomatensoße in der Dose. Oder Toast mit Erdnussbutter und Erdbeermarmelade. Oder Baked Beans in der Dose. Dosen gehen immer. Jeder muss sich da ausprobieren und austesten. Es kommen manchmal auch recht abenteuerliche Kreationen dabei raus. Auch das gehört dazu und verleiht dem ganzen einen gewissen Charme. Wenn alle Stricke reißen, geht man einfach Essen. Ganz grundsätzlich ist das Einkaufen in Amerika easy. Man bekommt alles und das zum Teil rund um die Uhr. Mein Lieblingssupermarkt ist Albertsons. Die Kette ist nicht so weit verbreitet, hat aber ein tolles Sortiment und wirkt nicht so „billig“ wie Walmart, Safeway oder schlimmer noch Family Dollar.

Zusammenfassung

Camping in Amerika, egal ob mit dem Zelt oder doch mit dem Wohnmobil, ist relativ einfach und unkompliziert. Sowohl in der Planung, als auch in der Ausführung. Es gibt immer und überall Campingplätze. Amerika ist ein Eldorado für Campingurlaub. Es gibt halt immer ein paar Punkte, die man beachten und in die Reise mit einplanen sollte. Ich hoffe ich konnte hier ein wenig dazu beitragen. Wir haben in den fast drei Monaten, die wir schon im Amerika unterwegs waren, viel erlebt und immer wieder dazu gelernt. Es gab nie wirklich Schwierigkeiten, die wir bewältigen mussten.

Es ist unterm Strich wichtig zu wissen, dass man beim Zelten in Amerika in einigen Bereichen Abstriche machen muss, dass man in den Parks zu den Hauptreisezeiten manchmal nur schwer einen Platz bekommt. Dass die Qualität und Austattung der sanitären Einrichtungen sehr stark variieren. Dass es mit den Lebensmitteln ohne Kühlmöglichkeit wichtig ist, gut zu planen.

Aber im Gegenzug kann man so unglaublich tolle Erlebnisse mit nach Hause nehmen. Die National Parks und State Parks erlebt man so am intensivsten und kann die ganze Schönheit der Landschaften in vollen Zügen genießen. Ich persönlich würde nie wieder in irgendeinem Hotel/Motel schlafen, sondern jederzeit den Schlafplatz unter den Sternen wählen. Einschlafen und Aufwachen in der Natur ist das schönste für mich.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Beitragskommentare