Ein absolutes Highlight in den Dolomiten, ist die Seiser Alm, in der Nähe von Bozen. Es ist die größte Hochalm in Europa und das Grün der Wiesen und Bäume bildet einen fantastischen Kontrast zu den umliegenden, schroffen Bergmassiven. Ein Eldorado für Foto-Begeisterte. Einige Highlights stelle ich hier vor.

Anreise

Von Deutschland aus wird man wohl meistens über die Brenner-Autobahn nach Südtirol fahren. Kurz vor Bozen verlässt man die Autobahn und steuert die Ortschaften Seis am Schlern, Völs am Schlern oder Kastelruth an. Es gibt viele Unterkunftsmöglichkeiten, die man allerdings je nach Saison frühzeitig buchen muss. Für alle Camper kann ich den „Campingplatz Seiser Alm“ empfehlen. Er ist ein idealer Ausgangsort für die Erkundung der Gegend. Mit einem Zelt bekommt man fast immer, auch spontan, noch einen Platz.

 

Seiser Alm

Wie eingangs beschrieben, ist die Seiser Alm wirklich sehenswert. Über die Seilbahn gelangt man von Seis (am Schlern) gemütlich auf das Hochplateau. Die Straße nach oben ist tagsüber zwischen 9 und 17 Uhr gesperrt und nur vor- oder hinterher befahrbar. Von der Bergstation aus, kann man in alle Himmelrichtungen loswandern und diese tolle Natur erkunden. Ich habe zwei Lieblingsberge, die für mich untrennbar mit der Seiser Alm in Verbindung stehen. Das sind der Langkofel und der Plattkofel. Sie stehen beide Schulter an Schulter nebeneinander und thronen über den Wiesen und Almen. Mein favorisiertes Motiv dort. Vor allem im Herbst, denn dann kann man bei den richtigen Wetterbedingungen das Alpenglühen sehen, was der Szenerie etwas ganz besonderes verleiht. Dazu später mehr.

 

Langkofel und Plattkofel zum Sonnenaufgang

Als Einstieg hatte ich mir vorgenommen, den Lang- und Plattkofel zum Sonnenaufgang zu fotografieren. Die Location, von der aus ich fotografieren wollte, plante ich zu Hause über die Website von The Photographer’s Ephemeris. Somit wusste ich wann und wo die Sonne aufgehen würde. Man kann sich durch die richtige Planung viel Zeit sparen und dadurch mehr auf das Fotografieren vor Ort konzentrieren. Auch als App kann ich „TPE“ sehr empfehlen, dann hat man die Daten immer mit dabei.

Wie erwähnt, kann man mit dem Auto bis 9 Uhr am Morgen von Seis a. Schlern hoch auf die Alm fahren, dann erst wieder ab 17 Uhr. Dazwischen ist die Bergstraße gesperrt. Meine Location lag zusätzlich noch in einem Teil der Seiser Alm, der für alle Autos gesperrt ist, die keine Berechtigung haben. Berechtigt ist man nur als Bewohner oder als Gast eines der Hotels dort. Beides traf nicht zu, also musste ich vom Parkplatz an der Bergstation aus noch etwa 4,5 Kilometer laufen, was in etwa 45 Minuten beanspruchte. Hin und zurück sind es dann immerhin 9 Kilometer. Da ich das im Vorfeld schon wusste, stellte ich mir den Wecker um 04:45 Uhr. Der frühe Wurm macht einfach die besten Fotos.

Ich stand pünktlich um 6:30 Uhr an meinem ausgewählten Foto-Spot und konnte gemütlich meine Kamera aufbauen und die Ruhe genießen. Ich war vollkommen alleine.

Was man aber in den Bergen nicht bis ins Detail planen kann, ist, wie die Sonne die Berge exakt anleuchtet. So sah ich dann, dass die Bergseiten, die mir zugewandt waren, nicht direkt vom Morgenlicht angeleuchtet werden würden. Sie lagen eher im Halbschatten. Schade. Jedoch war es trotzdem eine tolle Szene, als die Sonne im Osten über den Bergkamm der Cirspitzen aufstieg und das Tal, in das ich schaute, langsam mit Licht füllte. Die Lichtsituation in dem Tal war dann auch das, was mich faszinierte. Die Schatten wurden kürzer und die Wiesen leuchteten in einem satten Grün, obwohl es schon Ende September war. Etwas schwierig war in diesem Fall der Dynamikumfang, denn die Sonne schien seitlich in die Kamera und erzeugte ein sehr helles Licht, welches ein großer Kontrast zu den Schatten unterhalb war. Über eine Mehrfachbelichtung (Bracketing) hatte ich aber jegliche Möglichkeiten zu Hause am PC eine harmonische Komposition zu erstellen. Das ist meine bevorzugte Technik bei diesem Licht.

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Langkofel und Plattkofel zum Sonnenuntergang

Natürlich musste ich nach dem Sonnenaufgang auch den Sonnenuntergang dort fotografieren – logisch. Hierbei wusste ich aus Erfahrung, dass die untergehende Sonne definitiv die Berggipfel in ein tolles Licht tauchen wird. So bin ich am nächsten Abend zusammen mit meiner Frau wieder an die gleiche Stelle gelaufen, zusätzlich zu unserem täglichen Wanderpensum noch einmal 9 Kilometer extra. Zeitlich gut geplant, waren wir eine Dreiviertelstunde vor Sonnenuntergang vor Ort. Anders als am Meer, findet der Sonnenuntergang in den Bergen früher statt, denn die Sonne verschwindet eher hinter den Bergrücken im Westen. Das muss man mit einkalkulieren. Aber ich hatte ausreichend Zeit, um mir wieder einen schönen Bildausschnitt zu suchen, wobei es eigentlich fast der gleiche war, wie zum Sonnenaufgang.

Kamera und Stativ aufgebaut, einige Probeaufnahmen gemacht und dann auf den richtigen Moment gewartet. Ein paar Meter weiter rechts, hatte sich eine Gruppe gleichgesinnter Fotografen eingefunden, wahrscheinlich eine geführte Foto-Tour. Im Vorbeigehen wechselt man dann immer mal ein paar Worte und wünscht sich für die Ergebnisse viel Spaß und gutes Gelingen. Und dann wurde das Licht immer goldener und wärmer. Dabei kann man beobachten, wie der Schatten immer mehr die Berggipfel hochwandert, bis nur noch die Spitzen leuchten. Der Kameraauslöser wurde gut beansprucht, um nichts zu verpassen. Aber die Ergebnisse haben mich sehr gefreut.

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Langkofel und Plattkofel im Alpenglühen

Das eigentliche Highlight kam dann aber nach dem Sonnenuntergang – das Alpenglühen. Wenn die Sonne schon hinter dem lokal sichtbaren Horizont versunken ist und es kein direktes Licht mehr gibt, wird durch die Erdatmosphäre fast nur noch der rote Anteil im Lichtspektrum durchgelassen und die blauen Anteile in andere Richtungen abgelenkt. Somit wirkt das restliche Licht, welches auf die Berge und Wolken trifft, rot bis violett. Es reicht aus, um die Berge damit hell genug zu erleuchten, bevor völlig die blaue Stunde hereinbricht. Die Berge sehen dabei aus, als ob sie vor sich hin glühen. Es wirkt manchmal surreal, weil auch der ganze Himmel für einen kurzen Zeitraum rot bis violett erscheint. Leichte Wolken sind dabei sehr willkommen, um dem Himmel eine besondere Note zu geben.

Wenn man sich die Ergebnisse anschaut, denkt man im ersten Moment, da kann mit dem Weißabgleich etwas nicht gestimmt haben. Oder bei der Nachbearbeitung wurde zu sehr am Farbregler gedreht. Aber jeder der diese Lichtstimmung in den Bergen schon einmal selber erlebt hat weiß, dass es der Realität entspricht. Ein tolles Erlebnis. Und am besten lässt sich dies im Herbst erleben.

 

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Seiser Alm als Panorama

Gegenüber der Langkofelgruppe, kann man die Puflatschalm auf einer kurzen Wanderung erkunden, welche direkt an der Bergstation der Seilbahn beginnt. Nach einem Anstieg erreicht man den Aussichtspunkt „Engelrast“, in der Nähe der Puflatsch Hütte. Von dort aus ergibt sich ein fantastischer Rundumblick auf die Berggipfel und über die tiefer liegenden Almwiesen. Angefangen ganz links von den Geislerspitzen, bis ganz nach Rechts zur Santner- und Euringerspitze, die zur Schlerngruppe gehören.

Bei so einer Ansicht bietet sich natürlich die Möglichkeit ein Panorama aufzunehmen. So habe ich mir einen schönen Punkt gesucht, wo der Blick nicht durch Bäume behindert wurde, habe mein Stativ mit der Wasserwaage ausgerichtet und im Hochformat eine Panorama-Reihe fotografiert. Zuerst im Weitwinkelbereich 7 Aufnahmen und anschließend mit etwas mehr Tele eine 11er Reihe. Wenn der Horizont beim Fotografieren gut ausgerichtet ist, lässt sich das Panorama ganz leicht über die Stitching-Funktion in Lightroom, Photoshop oder jedem anderen Panoramaprogramm zusammensetzen.

Mein Panorama zeigt keine außergewöhnliche oder spektakuläre Lichtsituation oder Wolkenbildung, sondern einfach den herrlichen Blick über die Seiser Alm.

 

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Fazit

Die Seiser Alm gehört für mich definitv zu den schönsten Gegenden der Südtiroler Dolomiten. Die grünen Wiesen, die schroffen Berge als Kontrast, die vielen Möglichkeiten wandern zu gehen und natürlich zwischendurch auch wunderbar einkehren zu können. Ich komme immer wieder gerne hierher zurück, denn kein Besuch gleicht dem anderen. Man erlebt immer etwas Neues.

Man muss einfach die Zeit genießen, sich dem Rhythmus anpassen, die Natur erkunden – die Kamera kann dabei gar keine schlechten Aufnahmen machen. Die Seiser Alm ist wirklich ein Eldorado für Foto-Begeisterte.

In dem Sinne, geht raus fotografieren…

Ciao, Michael

 

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