Le Mont-Saint-Michel würde normalerweise nicht zu dem gehören, was ich am liebsten fotografiere – nämlich Landschaften und Natur. Dass es sich dennoch lohnt zum Fotografieren dorthin zu fahren, zeige ich euch in diesem Bericht.

Allgemeines zu Le Mont-Saint-Michel

Le Mont-Saint-Michel ist eine französische Gemeinde in der Normandie, an der Grenze zur Bretagne, und zählt nur 30 Einwohner. In einer Bucht gelegen, erhebt sich etwa 1 Kilometer vor der Küste eine felsige Insel aus dem Wattenmeer. Sie hat gerade einmal 830 Meter Umfang und 92 Meter Höhe. Seit dem 8. Jahrhundert gibt es Gebäude auf dieser kleinen Insel. Angefangen mit einem Sakralbau, ist Le Mont-Saint-Michel heute für seine Abtei auf der Spitze mit den eng an den Fels gebauten Steinhäusern bekannt. Seit 1979 gehört die Insel zum UNESCO Weltkulturerbe.

In doppelter Hinsicht ist Le Mont-Saint-Michel eine Pilgerstätte. Zum einen für die „echten“ Pilger auf dem Jakobsweg durch Frankreich, was aber den erheblich kleineren Teil ausmacht. Der wesentlich größere Teil besteht aus Touristen, die einfach dorthin kommen, um dieses markante Highlight zu besichtigen. Durch eine Brücke ist die Insel mit dem Festland verbunden und kann so (fast) zu jeder Zeit problemlos besucht werden. Auf die Gezeiten und das Wetter muss man achten, dann bekommt man keine nassen Füße.

Fotografieren von Le Mont-Saint-Michel

Fotografieren ist dort, wie so ziemlich an jedem Highlight, so eine Sache. Man muss zwei Arten der Fotografie unterscheiden – zum einen die Millionen von Selfies und Handy-Schnappschüssen, was ich nicht direkt als Fotografie bezeichne, zum anderen die ernsthafte, durchdachte Fotografie. Das Bestreben eine Szene optisch und technisch bestmöglich in einem Bild festzuhalten. Nicht falsch verstehen, ich mache auch Handy-Fotos als Erinnerung an besuchte Orte. Aber was dort an einem Tag an Selfies geschossen wird, ist schon krass. Als ich auf den Sonnenuntergang wartete, konnte ich entspannt andere beobachten, wie die Leute krampfhaft versucht haben sich und die Insel auf ein (Instagram oder Facebook taugliches?) Selfie zu bekommen.

Okay, jetzt aber zur „richtigen“ Fotografie. Es gibt eigentlich nur eine klassische Ansicht der Insel mit den Gebäuden. Das ist der Blick entlang der Zufahrtsstraße und der Brücke, rüber zur Insel. Diese Art der Fotos scheue ich normalerweise, da man sehr wenig kreativen Spielraum hat und die meisten Fotos sehr ähnlich aussehen. Zudem ist diese Ansicht schon millionenfach aufgenommen worden und im Netz zu finden. Aber wenn man schon mal dort ist und dann noch fußläufig auf dem Campingplatz einquartiert ist, MUSS man dieses Bild einfach machen.

Mein Anspruch war bei der Aktion trotzdem, etwas kreativer zu sein, bzw. es wenigsten zu versuchen. Links, abseits von der Brücke, lief ich etwas mit der Kamera umher und suchte nach einem netten Vordergrund. Alte Bauernweisheit: Vordergrund macht Bild gesund. Da es anscheinend einige Zeit nicht viel geregnet hatte, war die Erde sehr trocken und an einigen Stellen kachelförmig aufgerissen. Das sah recht ansprechend aus. Hat mich fast ein wenig an das Death Valley in Amerika erinnert. Mittels Fokus-Stacking nahm ich dann eine Bilderserie auf und setzte diese in Photoshop zusammen. Es sollte vom Vordergrund bis zur Insel im Hintergrund alles scharf abgebildet werden. Die Insel selber wollte ich wie einen Scherenschnitt nur als Kontur abbilden. Die Tiefen dabei nicht zu sehr aufhellen. Etwas Kontrast-Retusche mit Dodge & Burn und fertig war meine erste Variante vom Mont-Saint-Michel.

Mont-Saint-Michel

Anschließend wollte ich gerne noch eine Version im Querformat haben. Dazu fertigte ich einige Aufnahmen an und vergas dummerweise dabei das Fokus-Stacking. So habe ich jetzt zwar eine Aufnahme mit nettem Bildaufbau und wo das Licht passt, aber der direkte Vordergrund nicht völlig scharf ist. Okay. Fehler passieren immer wieder. Bei mir ist es oft dem geschuldet, dass ich das Abendlicht ausnutzen will, um alle Bildwinkel zu fotografieren. Dabei wechsel ich mehrfach den Aufnahmeplatz und bin in Gedanken eher beim Licht, als bei Themen, wie dem Fokus-Stacking. Aber das Bild ist dennoch schön geworden, finde ich.

mont-saint-michel-02

Als das Sonnenlicht weg war und es zur blauen Stunde überging, blieb ich natürlich noch, um die Lichter der Insel zu fotografieren. Dazu wählte ich die klassische Ansicht von der Brücke aus, mit dem Geländer als Blickführung zur Insel hin. Selbst durch die Langzeitaufnahmen ist es mir dabei nicht gelungen, die Menschen völlig aus dem Bild zu bekommen. Viele standen so lange am Geländer vor mir still, dass sie immer sichtbar blieben. Dann steht man vor der Wahl sie so zu lassen, oder sie aus dem Bild zu retuschieren, was ja heute kein Problem mehr darstellt. Meine Wahl fiel auf die Retusche. Das kann ich gut vertreten, da es mir um Mont-Saint-Michel als Motiv geht und ich Personen im Bild immer als störend empfinde. Vor allem natürlich bei meinen Landschaftsaufnahmen. Daraus ergibt sich sich jetzt diese Aufnahme:

mont-saint-michel-03

Mein Fazit

Le Mont-Saint-Michel ist absolut sehenswert, das sowieso. Es lohnt die Insel mit ihren kleinen, schneckenförmig nach oben führenden Gassen zu erkunden. Aber vor allem lohnt es, sich Zeit zum Fotografieren zu nehmen. Mal nach Rechts oder Links zu gehen, um andere Bildwinkel zu suchen. Selbst an so einem Ort, den gefühlt jeder schon bis zum Erbrechen fotografiert hat, kann man interessante Kompositionen entdecken und für sich nutzen. Und letztendlich sind es dann die eigenen Erinnerungen, die eigenen Bilder, die einem niemand mehr nehmen kann.

Nutzt die Gelegenheiten, die sich euch bieten, es wird sich immer lohnen.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Beitragskommentare