Mit dem Rucksack durch Island – ein Abenteuerurlaub den wir bisher auf diese Weise noch nie gemacht hatten. Es ist schwer die Erlebnisse in Worte zu fassen und die Eindrücke zu vermitteln, die man vor Ort hatte. Aber ich versuche es. Vielleicht motiviert es den Einen oder Anderen es uns gleich zu tun. Eines vorweg: es ist kein Erholungsurlaub. Aber seht selbst…

 

Die Anreise

Der Flughafen in Nürnberg sollte den Startpunkt markieren. Für uns easy mit der Bahn zu erreichen und das Einchecken ist auch sehr entspannt. Der Flug ging um 22:30 Uhr. So hatten wir tagsüber noch genügend Zeit, um das Gepäck und die Reiseunterlagen das letzte Mal zu kontrollieren.

In der Bahn zum Flughafen sahen wir drei andere, die auch mit schwer bepackten Trekking-Rucksäcken unterwegs waren. Zwangsläufig grüßt man sich als „Gleichgesinnte“. Lustig war es erst, als wir in einem kurzen Wortwechsel erfuhren, dass zwei davon auch nach Island unterwegs waren. Mit dem Unterscheid, dass wir zuerst eine andere Tour laufen würden. Der dritte Rucksackträger gehörte nicht zu den beiden, aber zu diesem später mehr.

Am Flughafen reihten wir uns in die Schlange der Wartenden bei unserer Airline Germania ein. Gefühlt die Hälfte aller Reisenden hatten anscheinend das Gleiche vor wie wir. Na gut, mal schauen wie voll das Land so wird. Die Rucksäcke waren schnell eingecheckt, und obwohl meiner weit mehr als 20 Kilogramm hatte, gab es keine Probleme und wir mussten nichts nachzahlen. Die restlichen 7 kg hatte ich im Handgepäck.

Ich liebe das Flughafenflair, aber so entspannt das Fliegen von Nürnberg auch ist, so langweilig ist der Flughafen. Ab 22 Uhr herrscht dort tote Hose. Sei es drum.

Der Flieger ging pünktlich weg und die Flugzeit war auch erfreulicherweise eine halbe Stunde kürzer, als im Flugplan stand. Nach 3 Stunden und 10 Minuten setzten wir auf. <<Back in Iceland>> Aber auf dem Gepäckband – keine Rucksäcke! Schock. Irritation. Ratlosigkeit. Bis uns andere darauf aufmerksam machten, dass Rucksäcke in Keflavik immer als Sondergepäck behandelt werden und am anderen Ende der Gepäckausgabehalle in einer versteckten Nische lagen. Puuuuh!!! Wenigstens waren sie da.

Jetzt schnell raus zum FlyBus, der uns nach Reykjavik zum Campingplatz bringen sollte. Alles ging reibungslos. Angekommen, Zelt aufgebaut (leider schon im Regen), rein in die Schlafsäcke – es war 03:30 Uhr. Um 6:30 Uhr ging schon der Wecker, denn wir mussten zum Bus Terminal und den Bus erreichen, der uns zum ersten Ausgangspunkt ins Hochland bringen sollte. Klappte auch. Noch schnell einen Kaffee geholt, ein Gebäckstück zwischen die Zähne geschoben und los gings.

 

Zwischenstopp: Golden Circle

Der Golden Circle ist das mit Abstand beliebteste Ausflugsziel in Island, gerade für Tagestouren von Reykjavik aus. Entlang des Circle liegen Highlights wie der Geothermal-Park Haukadalur mit dem Geysir „Strokkur“, der mächtige Wasserfall „Gullfoss“ und das geschichtsträchtige „Þingvellir“ (googelt mal nach der korrekten Aussprache), der Ort, wo eines der ältesten Parlamente der Welt tagte. Wir hatten diese Orte schon alle bei unserem letzten Island-Urlaub gesehen, aber der Bus hielt nun mal sowohl beim Strokkur, als auch beim Gullfoss. Also habe ich die Zeit genutzt und ein paar Fotos gemacht. Etwas die Beine vertreten schadet nie.

Dort bekamen wir aber einen ersten Eindruck, wie sehr doch der touristische Andrang auf das kleine Island in den letzten Jahren zugenommen hat. Konnte ich vor sechs Jahren am Wasserfall noch Bilder aufnehmen, auf denen so gut wie keiner zu sehen war, hätte heute nur noch gefehlt, dass man eine Nummer ziehen und warten muss, bis man an der Reihe ist. Irgendwie ein ernüchternder Anblick. Und dann liest man in den Medien, dass wieder ein Tourist aus Unachtsamkeit beim Selfie-machen in die Schlucht mit den tosenden Wassermassen gestürzt ist und erst drei Wochen später tot gefunden wurde. Ist das ein wünschenswerter Tourismus?

 

 

Kjalvegur

Der Kjalvegur ist ein idealer Einstieg als Wanderweg in Island. Er ist etwa 50 Kilometer lang und man schafft ihn in 4 gemütlichen Etappen. Wir haben die eigentliche Tour aber um eine Übernachtung auf 75 km verlängert. Dafür haben wir uns auf der Piste südwestlich des Berges Bláfell absetzen lassen. Jetzt ging die eigentliche Tour los. Wir voll motiviert. Die Sonne schien und wir hatten so richtig Lust auf die Wanderung.

 

Man läuft die ersten Kilometer gemütlich auf einem breiten Weg. Hinter der Hütte Fremstaver führt der Weg an den Osthang des Bláfell und verliert sich zum Teil im weitläufigen Geröllfeld. Das Laufen wurde anstrengender, denn man kann den Blick nur nach oben Richten und die Natur bewundern, wenn man stehen bleibt. Während dem Wandern sollte man nach unten schauen, um keinen Stein zu übersehen, der einen mit dem schweren Gepäck zum Stolpern bringen könnte. So liefen wir meist hintereinander, einen Kilometer nach dem anderen.

Da es unsere erste Etappe mit vollem Gewicht war (27kg und 16kg), musste sich der Rücken erstmal dran gewöhnen. Sehr unangenehm und nervend waren die tausenden Mini-Fliegen, die einem beim Gehen in Mund, Ohren und Nase krochen. Sich unterhalten war fast unmöglich. Am späten Nachmittag erreichten wir etwas platt die Schlucht Sniðbjargagil, wo wir in der Wildnis unser Zelt aufschlugen. Ein herrlicher Platz. Aber unsere „Freunde“, die Fliegen, waren überall. Man muss das Fliegengitter im Zelt rasend schnell öffnen und schließen, sonst droht eine Invasion. Also ob sich die Viecher miteinander absprechen.

Nachdem wir unser erstes Trek’n’Eat Outdoor-Essen zubereitet hatten (es ist nahrhaft und essbar, aber mehr auch nicht), warteten nur noch die Schlafsäcke. Man muss sich auch jedes mal wieder an das Schlafen auf Isomatten und an das Zelt gewöhnen. Aber inmitten dieser Natur und der frischen Luft schläft es sich immer gut.

Leicht gerädert am nächsten Morgen, habe ich erst einmal die Gegend erkundet. Etwas Flussaufwärts in dem Canyon Sniðbjargagil, befindet sich ein sehr fotogener, kleiner Wasserfall. Und man hat ihn für sich ganz allein. Perfekt um den Tag mit entspannter Fotografie zu starten.

 

Danach die Rucksäcke geschultert und weiter gings. Das gleiche Wanderbild wie am Vortag. Über Stock und Stein, parallel zum Fluss Hvíta, ging es ohne nennenswerte Höhenmeter weiter. Ständige Begleiter: na wer wohl – Summ Summ. Aber auch die mit dicker Wolle bepackten Schafe waren ein lustiger Anblick. Kommt man um eine Ecke oder Kurve, liegen sie, Gras kauend, auf dem Weg und bekommen bei unserem Anblick einen halben Herzinfarkt, was uns wohl einfällt einfach so da lang zu wandern.

 

Es fing wieder an zu regnen, was die Euphorie etwas dämpfte, aber das ist eben Island. Da muss man durch. Weil das Wetter wirklich nicht sehr schön war, freuten wir uns, als auf den wenigen hundert Metern die wir auf der F-Road laufen mussten, ein kleiner SUV hielt und zwei Katalaninnen (auf Spanglish) fragten, ob wir ein Stück mitfahren wollen. Kratzt es am Ego, wenn man so eine Hilfe annimmt? Nö! Nicht bei dem miesen Wetter. Das dachten sich aber auch unsere Lieblingsbegleiter. Mit uns stiegen alle Fliegen im Umkreis von gefühlt 100 m mit ein. Der Dachhimmel deren Auto war ruck zuck schwarz. Wie peinlich. Nach etwa 6 km ließen sie uns an der Hütte Arbudir raus (die Fliegen fuhren weiter mit). Von dort waren es noch etwa 3 km bis zum nächsten Campground.

Vorher jedoch wärmten wir uns in der bewirteten Hütte mit Kaffee (Woohoo) und einem Stück Kuchen (Woooohoooo) kurz auf. Nach einer Flussquerung kamen wir schließlich in Hvítarnes an und konnten bei wenig Regen unser Zelt aufschlagen. Der Tag war geschafft. Jeder noch schnell eine Tüte Essen reingeschaufelt und dann ab in den Schlafsack.

 

Im nächsten Teil geht es weiter auf dem Kjalvegur, ich würde mich freuen, wenn ihr wieder reinschaut.

Bis bald… Michael

 

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