Weiter geht’s auf unserer Wandertour durch Island. Anfänglich mussten wir uns ans Wandern mit schwerem Gepäck gewöhnen, an die Möglichkeiten der Verpflegung, an die Tiere. Wie ging es dann weiter, was waren die nächsten Herausforderungen? Lest selbst…

 

Weiter auf dem Kjalvegur

Wir waren in Hvítarnes. Startpunkt des eigentlichen Kjalvegur. Die Wolken hingen düster und bedrohlich über der Landschaft, aber es regnete nicht. Ich liebe diese Stimmung in Island. Außer uns stand kein weiteres Zelt auf der Wiese, alles war still und wir konnten die Rundumsicht sehr genießen. Am Horizont in nördlicher Richtung, in die wir auch wandern würden, war ein heller Streifen zu sehen. Es kündigte sich besseres Wetter an.

Der Wanderweg sah jetzt anders aus wie in den zwei Tagen zuvor. Der Kjalvegur war vor langer Zeit der Weg, den Reiter nutzten, um vom Norden in den Süden zu gelangen. Der Weg besteht aus bis zu sechs schmalen Reitspuren nebeneinander, die sich wie dünne Rillen durch die Landschaft ziehen. Durch die intensive Nutzung, auch durch die vielen Schafe, gehen manche Rillen bis zu einem halben Meter tief in den Boden. Aufgrund des schweren Gepäcks sind wir immer mit Wanderstöcken gelaufen. Das Laufen durch diese tiefen Rillen fällt aber zum Teil schwer, weil man die Stöcke nicht aufsetzen kann und mit den Schuhen sehr eng nebeneinander auftreten muss. So kamen wir nicht so schnell vorwärts, wie wir dachten. Aber wir wollten uns ohnehin die Zeit nehmen, um die Landschaft zu genießen.

 

Unser Ziel am Abend war Þverbrekknamúli (diese Zungenbrecher). Auf dem Weg dorthin wurde das Wetter immer besser und die Sonne ließ sich blicken. Das war herrlich, als wir unsere Rucksäcke abgezogen und uns auf das weiche Moos in die Sonne gelegt haben. Man muss alles genießen was geht. Mit der Sonne kam aber auch der Wind. Der Vorteil von Wind war, dass er die kleinen Fliegen vertrieb. Es ließ sich gleich angenehmer laufen. Als wir an der Hütte ankamen, war der Wind aber so stark, dass wir Probleme hatten, das Zelt aufzubauen. Glücklicherweise lagen so viele große Steine rum, die wir dann rund um das Zelt aufgetürmt haben, um mehr Stabilität zu erreichen und um die Abspannleinen zu beschweren. Das Zelt wurde trotzdem ganz schön auf die Probe gestellt, doch es hat gehalten. Eine härtere Probe würde noch kommen. Mehr dazu ein anderes Mal.

Nach uns kamen noch vier Wanderer an, die aber in der Hütte übernachteten, nicht im Zelt. Im vorangehenden Bericht hatte ich ja drei Rucksackträger in der S-Bahn in Nürnberg erwähnt, von denen zwei auch nach Island flogen. Das Lustige war, dass der Dritte aus der Bahn plötzlich vor uns stand. So klein ist die Welt. Es war eine Gruppe von Profi-Bergsportlern. Wir würden sie auf dem weiteren Trail immer wieder treffen. Sie machten aber zwischendurch noch Abstecher mit Kletterausrüstung auf die umliegenden Gletscher, die wir aber nur ehrfürchtig von der Ferne aus beobachteten.

 

Am Abend kamen wir in Þjófadalir an (nein, die Namen werden nicht besser). Die Hütte, wo wir unser Zelt aufschlugen, lag in einem kleinen Tal und war malerisch eingerahmt von Bergen. Die Sonne schien, blauer Himmel, einfach herrlich. Auf die Wiese legen, die Seele baumeln lassen. Und unser erstes Tourenziel war jetzt auch schon in Sicht.

 

Die letzte Etappe war, wie eigentlich der gesamte Kjalvegur, nicht sehr schwierig zu laufen, aber landschaftlich trotzdem reizvoll. Über eine Berghöhe hinter Þjófadalir kamen wir in eine Talebene die übersät war von Tumuli. Das ist abgekühlte Lava, die durch einen weiteren Lavadruck von unten aufgebläht wird und dann aufbricht, bevor sie komplett ausgekühlt ist. Das sieht manchmal aus wie die grobe Kruste von einem Holzofen-Bauernbrot. Absolut faszinierend wenn man bedenkt, was dort für Kräfte geherrscht haben müssen. Der Weg schlängelte sich durch dieses Lavafeld und es war spannend die unzählig verschiedenen Formen der erstarrten Lavaströme zu betrachten.

 

Das Ziel des Kjalvegur

Nachmittags erreichten wir dann das Geothermal-Gebiet von Hveravellir, das Ende des Kjalvegur-Trails, welches sich direkt an das Lavafeld anschließt. Stolz die Tour ohne Blessuren gemeistert zu haben, aber auch etwas gerädert durch das schwere Gepäck, marschierten wir auf den Campingplatz. Unsere Belohnung erwartete uns: die heißen Bade-Quellen. Wir froren zwar nicht wirklich, aber allein die Vorstellung in dieser bizarren Umgebung in einer heißen Quelle zu entspannen, war toll. Und genauso hat es sich angefühlt. Die Wärme des Wassers hat die ganzen Verspannungen gelöst, die sich in unseren Schultern angesammelt hatten. Unbeschreiblich. Nach einer Weile wurde es fast schon zu warm, weil auch die Sonne von oben ihr übriges dazu tat.

Den Abschluss des Tages bildete eine kleine Fotosession im Thermalgebiet mit seinen Quellen und Geysiren. Bei untergehender Sonne, unvergesslich.

 

 

 

So, die erste Woche auf Island war schon rum. Jetzt ging es mit dem Hochlandbus in Richtig Süden, nach Skógar, dem Startpunkt der nächsten Tour. Aber darüber schreibe ich das nächste Mal.

Bis bald… Michael

 

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