Der erste Trail in Island mit dem Rucksack war also geschafft. Viele würden sagen: „Okay, reicht mir, jetzt erstmal ausruhen.“ Wir wollten aber mehr. Mehr vom Land sehen, Landstriche die mit dem Auto nicht erreichbar sind. So ging es auf zur nächsten Tour. Aber erstmal hinkommen…

 

Wie bewegt man sich als Wanderer in Island ohne Auto?

Ich hatte im Teil drei geschrieben, dass uns ein Hochlandbus von Reykjavik zu unserem ersten Startpunkt am Bláfell brachte. Die Straße bis dorthin war aber überwiegend asphaltiert. Also von Gelände war noch nichts zu spüren. Eine Woche später standen wir aber weit im Hochland, in Hveravellir und mussten nun mit dem gleichen Bus Richtung Süden nach Skógar reisen.

Diese Hochlandbusse fahren auch als Linienverkehr quer durch das Land, darum kann man relativ leicht und regelmäßig von A nach B kommen. Leicht wird dabei aber auch das Portemonnaie, denn die Busgesellschaften lassen sich die Touren echt gut bezahlen. Aber man hat ohne Auto sonst keine Chance. Wir haben viele gesehen, die es mit Hitchhiking probierten, aber man hat dabei nicht immer Erfolg und muss oft lange warten, bis man mitgenommen wird. Vor allem mit so riesigen Rucksäcken. Außerdem hatten wir einen straffen Zeitplan, da ist der Bus die erste Wahl. Er war für uns Mittel zum Zweck.

 

Auf nach Skógar

Pünktlich in Hveravellir losgefahren, mussten wir einen kleinen Umweg zum Camp in Kerlingafjöll machen, um weitere Reisende mitzunehmen. Die Wege waren jetzt richtig schön holprig, obwohl die Straße relativ eben aussah. Aber im Bus war alles am wackeln, am scheppern, am quietschen und rasseln. Aber alle Mitreisenden waren einfach nur fasziniert, von der Landschaft, die am Fenster draußen vorbeizog. Das Geholper hat keinen so richtig gestört. Allerdings sollte es noch drei Stunden so weiter gehen. Wir merkten es irgendwann schon im Hintern und Rücken, aber alles kein Problem.

In Selfoss mussten wir Umsteigen und konnten im Supermarkt ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Endlich mal wieder was Süßes, oder was zu Trinken mit Geschmack. Auch wenn uns nach dem Kartoffelsalat mit Pylsur (isländische Würstchen) nicht ganz wohl war im Magen, war es eine kleine willkommene Pause.

Kurz danach saßen wir im Bus nach Skógar. Eigentlich sollte er noch einen kurzen Zwischenstopp am Seljalandsfoss machen, einem meiner Lieblingswasserfälle auf Island. Der Bus hatte aber genau die 15 Minuten Verspätung, die wir dort halten sollten. Kurz bevor wir dort auf den Parkplatz fuhren, ging ich zum Busfahrer und fragte, ob wir trotzdem halten würden. „Yes, but only 10 Minutes, is that okay?“ Ich freute mich wie ein Schnitzel. Und meine Vorfreude stieg beinahe ins Unermessliche, denn es zeichnete sich ein fantastischer Sonnenuntergang ab, den ich so wahrscheinlich nicht nochmal erwischen würde.

Der Seljalandsfoss hat die Besonderheit, dass man hinter dem Wasser entlang laufen kann. Die Schwierigkeit liegt beim Fotografieren dort in der Gischt, die einem das Leben je nach Windrichtung echt schwer machen kann. Aber bei so einem Licht muss man alles wagen. Auf den letzten Kilometern hatte ich meine Kamera schon startklar gemacht und auf das Stativ geschraubt.

Der Bus hielt, die Tür ging auf und ich rannte los. Zehn Minuten waren ja nicht viel. Die Steine am Wasserfall waren sehr rutschig, so dass ich extrem aufpassen musste. Ich war schon klatschnass, bevor ich hinter dem Wasser war. Aber die Sonne stand jetzt direkt über dem Horizont. Das Licht war unbeschreiblich. Über eine Langzeitbelichtung wollte ich das Wasser seidig ablichten. Unter Zeitdruck ist das gar nicht einfach. Ich nahm über die Bracketing-Funktion immer 3er-Belichtungsreihen auf, um die richtige Dynamik zu erwischen. Ich habe einfach nur den Finger auf dem Auslöser gelassen und gedrückt und gedrückt und gedrückt. Dabei habe ich fast die Zeit aus den Augen verloren und schweren Herzens musste ich zurück zum Bus.

Natürlich war ich der Letzte, der Motor lief schon, aber irgendwie war es mir egal. Ich hatte meine Bilder im Kasten. Und es sind für mich wirklich einmalige Aufnahmen geworden.

 

 

Skógafoss

Nach etwa einer weiteren Stunde Fahrt erreichten wir dann den Campingplatz am Skógafoss, meinem Lieblingswasserfall in Island. Am nächsten Morgen sollte hier die zweite Wandertour beginnen. Das Zelt war schnell aufgebaut und ich konnte das letzte Licht im Himmel nutzen, um auch dort nochmal fotografieren zu gehen. Der Skógafoss stürzt sehr malerisch etwa 60 Meter den Felsen hinunter, bevor er die letzten Kilometer zum Meer fließt. Tagsüber ist der Ort hoffnungslos überlaufen, aber es war bereits nach 23 Uhr, so dass die Tagestouristen lange weg waren und ich ungehindert fotografieren konnte. Ich liebe solche Lichtstimmungen. Die Farbe wechselt langsam von rötlich, über violett, bis hin ins satte Blau der Nacht. Es war wie eine spannende Gute-Nacht-Geschichte. Glücklich bin ich dann ins Zelt gekrochen.

 

 

Tja, was man in Island so an einem Tag erlebt, klappt woanders nicht in einer Woche. Darum mache ich hier Pause und schreibe dann im nächsten Teil über unsere größte Herausforderung – den Laugavegur. Ich würde mich freuen, wenn ihr wieder vorbeischaut.

Bis bald… Michael

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