Dead Horse Point State Park

Auf unserem USA Roadtrip war eine Station der Dead Horse Point State Park. Bevor ich die Reiseplanung und die Vorbereitung für meine Foto-Locations machte, war mir dieser State Park kein Begriff. Jetzt aber zählt er zu meinen persönlichen Highlights der Reise. Im folgenden Bericht zeige ich warum.

Allgemeines

Beschäftigt man sich mit dem Südwesten der USA, stößt man primär auf Namen wie Grand Canyon, Zion National Park, Bryce Canyon, oder Monument Valley. Verständlich. Aber es gibt weitere landschaftliche Perlen, die zwar kein Geheimtipp mehr sind, aber nicht so überlaufen, wie die eben erwähnten. Dazu gehört zweifelsohne der Dead Horse Point State Park im Bundesstaat Utah.

Dieser 27 km² große State Park liegt auf über 1700 müNN auf einem Hochplateau, 600 Meter über einer hufeisenförmigen Flusswindung des Colorado River. Riesige senkrechte Klippen treffen auf Canyons, die von Eis, Wasser und Wind geschnitzt wurden und ein visuelles Meisterwerk darstellen. Das Hochplateau bildet die Form einer Halbinsel, die wie mit einem schmalen Schwanenhals mit der restlichen Hochebene verbunden ist.

Wie kam dieser State Park zu dem Namen „Punkt, oder Ort der toten Pferde“?

Die Spitze des Hochplateaus wurde im 19. Jh. und darüber hinaus als Gehege für wilde Mustangs verwendet. Cowboys trieben diese wilden Pferde zusammen und anschließend über den schmalen Hals des Landes in diese Sackgasse. Der schmale Punkt wurde dann mit Zweigen und Gestrüpp eingezäunt. So entstand eine natürliche Koppel, die von steilen Klippen umgeben war und somit kein Entkommen erlaubte. Dann konnten die Cowboys die Pferde zur Zucht aussortieren und auf ihre Farmen mitnehmen. Für die zurückgelassenen Pferde endete dieses Gehege jedoch oft tödlich, weil sie auf dem wasserlosen Hochplateau verdursteten, während unter ihnen der Colorado River entlang floss.

Weitere Infos findet ihr auf der englischsprachigen Website: https://stateparks.utah.gov/parks/dead-horse/

Fotografieren am Dead Horse Point

Was macht es so interessant? Ganz klar die besondere Lage und die Aussicht. Von der südlichsten Spitze des State Parks, hat man einen 270 Grad Rundumblick auf die tieferliegenden Canyonlands. Wie erwähnt, schlängelt sich der Colorado River wie ein Hufeisen unterhalb des Aussichtspunktes entlang und wird von steil aufragende Felsen umrahmt. Eine tolles Motiv. Der Aussichtspunkt bietet viele Möglichkeiten zum Fotografieren. Man kann nach rechts und nach links gehen und je nach Tageszeit den besten Spot suchen. Darum ist zum einen der Sonnenaufgang, als auch der Sonnenuntergang perfekt zum Fotografieren.

An der Kante des Hochplateaus finden sich viele alte, kleine Wacholderbäume, welche sich perfekt in den Bildaufbau als Vordergrund integrieren lassen. Dadurch erhält man eine gewisse Tiefe im Bild, die sonst nur schwer zu greifen ist. Die Dimensionen sind nicht so gewaltig, wie am Grand Canyon, aber immer noch schwer darzustellen. Bei klarer Sicht, kann der Blick leicht 30-40 Kilometer weit über die Canyonlands reichen. So muss man bei der Wahl des Bildausschnitts kreativ werden.

Ich fuhr zum Sonnenaufgang hin. Etwa eine Stunde früher war ich dort, um mir den idealen Ort zu suchen. Ich wollte sowohl das erste Umgebungslicht nutzen, bevor die Sonne über den Horizont steigt, als auch die ersten direkten Sonnenstrahlen. Im Internet hatte ich mich über die Satellitenansicht auf Google Maps mit dem Gelände vertraut gemacht, so weit das möglich ist.

Daher wusste ich schon in etwa, wo ich hingehen musste. Mit Stirnlampe ausgerüstet, stiefelte ich in der Dunkelheit in die ausgewählte Ecke und versuchte möglichst schnell die richtige Position zu finden. Das war schwieriger, als erwartet. Und gar nicht so ungefährlich, denn in der Dunkelheit übersieht man leicht die Absturzkante, was lebensgefährlich ist. Man sollte sich dort, wo kein Geländer, oder eine Mauer vorhanden ist, nur mit größtmöglicher Vorsicht bewegen.

Meinen Spot fand ich gerade rechtzeitig, als schon das erste Umgebungslicht des Tages den Canyon zum Leuchten brachte. Es ist kein direktes Licht, eher so etwas wie das Alpenglühen in den Bergen. Die rot-orangefarbenen Sandsteine reflektierten dieses Licht so intensiv, dass ich die Sättigung bei der Nachbearbeitung sogar reduzieren musste, damit es nicht künstlich wirkte. Die Zeit verging viel zu schnell, so dass ich mich ran halten musste, um keinen Moment auszulassen.

Herausforderungen beim Fotografieren

Das Herausforderung kam dabei aber von einer anderen Seite. Weil das Fotografieren immer beliebter wird und gute Kameras mittlerweile recht günstig sind, aber viele erst lernen müssen zu fotografieren, trifft man immer öfter auf Foto-Workshop-Gruppen. An sich kein Thema, jeder fängt mal klein an und ich finde das Interesse an dem Thema Natur- und Landschaftsfotografie gut. Doch viele Workshop-Leiter sollten ihren Schülern auch beibringen auf andere Fotografen zu achten, die nicht zur Gruppe gehören. So liefen mir an diesem Morgen nicht nur Teilnehmer durchs Bild, sondern positionierten sich auch so, dass ich sie voll im Bild hatte.

Ich verstehe schon – es ist so faszinierend, dass man sich nur noch auf das Fotografieren konzentriert. Ich bemühe mich immer auf andere zu achten und nötigenfalls woanders hinzugehen, wenn ich nicht als erstes da war. Fragen hilft auch herauszufinden, ob man jemandem im Bildausschnitt steht. Durch Kommunikation lässt sich vieles vereinfachen oder aus dem Weg räumen. Obwohl ich es nicht mag, musste ich mehrmals freundlich bitten, ob sie nicht ein Stück beiseite gehen könnten. Das hat dann auch geholfen.

Meine Bilder vom Dead Horse Point

Lichtstimmung kurz vor Sonnenaufgang
Lichtstimmung kurz vor Sonnenaufgang
Lichtstimmung kurz vor Sonnenaufgang
Lichtstimmung kurz vor Sonnenaufgang
Lichtstimmung kurz vor Sonnenaufgang
Aussicht über die Canyonlands im ersten direkten Sonnenlicht

Fazit

Es war einfach nur fantastisch dort zu stehen, die wechselnden Veränderungen des Lichts zu beobachten, wie sich die Schatten in den Canyons verschoben und dabei alles in Bildern mit der Kamera festzuhalten. Die knackige Kälte an dem Morgen, es war ja Mitte Oktober, hatte ich dabei völlig ausgeblendet und habe sie erst wieder in den Knochen gespürt, als ich meine Ausrüstung einige Zeit nach Sonnenaufgang eingepackt habe. Aber dann wartete die Belohnung auf mich – ein heißer Kaffee. Der krönt jede Anstrengung.

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